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Forschung und Militär 1749 Erst 1749 wurde die früheste wissenschaftliche Verwendung des Drachens aufgezeichnet. Es handelte sich um ein meteorologisches Experiment, durchgeführt von Alexander Wilson in Camlachie (Schottland). Wilson mass die Temperaturunterschiede in verschiedenen Höhen mit einem halben Dutzend Drachen bis auf 915mtr. 1752 Benjamin Franklin (1706-1790), nordamerikanischer Staatsmann, Schriftsteller und Erfinder folgte mit einer zweifellos berühmten wissenschaftlichen Verwendung des Drachens. 1776-85 war er Gesandter in Paris und an der Erarbeitung der amerikanischen Verfassung von 1787 wesentlich beteiligt. Im Juni 1752 liess Franklin seinen elektrischen Drachen steigen um nachzuweisen, dass der Blitz die gleiche Materie sei wie man bei der Stromerzeugung gewinnt. Benjamin Franklin beschreibt die Konstruktion wie folgt: „Man fertige ein kleines Kreuz aus zwei leichten Zederstäben, deren Arme so lang sind, dass sie bis zu den vier Ecken eines ausgebreiteten grossen seidenen Taschentuchs reichen; man befestige die Ecken des Taschentuchs an denen des Kreuzes, so dass man einen Drachenkörper erhält, der sich, richtig mit Schwanz, Schlinge und Schnur ausgerüstet wie die aus Papier hergestellten, in die Luft erhebt. Doch dieser aus Seide bestehende ist besser geeignet, Nässe und den Wind eines Gewitters aushalten, ohne zu zerreissen. An der Spitze des Längsstabs in dem Kreuz muss man einen ganz spitzen Draht befestigen, der dreissig Zentimeter oder mehr über das Holz hinausragt. Am Ende der Schnur, neben der Hand, ist ein Seidenband anzubinden, und wo Schnur und Seide zusammentreffen, wird ein Schlüssel angebracht. Diesen Drachen lässt man aufsteigen, wenn ein Gewitter im Anzug ist, und die Person, welche die Schnur hält, muss unter einer Tür oder unter einer Bedeckung stehen, so dass das Seidenband nicht nass wird; und man muss dafür sorgen, dass die Schnur nicht den Türrahmen berührt. Sowie eine Gewitterwolke über dem Drachen steht, wird der spitze Draht das elektrische Feuer aus ihr herausziehen, und der Schlüssel wird mit samt der Schnur elektrifiziert, und die freien Fasern der Schnur werden nach allen Seiten abstehen und von einem Finger, der ihnen nahe kommt, angezogen werden. Und sofern der Regen den Drachen und die Schnur nass gemacht hat, so dass sie ungehindert das elektrische Feuer leiten können, wird man bemerken, dass es reichlich von dem Schlüssel in den näherkommenden Knöchel fliest. An diesem Schlüssel lässt sich die Flasche aufladen, und mit der so gewonnen Elektrizität kann man Alkohol entzünden und all die anderen Experimente durchführen, die man gewöhnlich mit Hilfe einer geriebenen Glaskugel oder Glasröhre anstellt; und dadurch ist die Gleichheit der elektrischen Materie und der des Blitzes vollständig bewiesen“.
1799 Die ersten bedeutsamen Experimente von Sir George Cayleys mit einer neuartigen Drachenform erfolgten zwischen 1799 und 1809. Die von ihm entwickelte Drachenform war ein Nebenprodukt für seine intensive Beschäftigung für das Konzept „Schwerer-als-Luft-Flugs“. Er formulierte die aeronautische Theorie wie folgt: „Das ganze Problem beschränkt sich darauf, einem bestimmten Gewicht durch die Anwendung von Kraft gegen den Luftwiderstand eine Oberflächenstützung zu verschaffen“. Er hatte die wesentliche Verschiedenheit von Antrieb und Auftrieb entdeckt.
Cayleys baute 1804die ersten Modellgleiter und verwendete als Tragflügeleinheit einen englischen Bogenspitzendrachen. Über diesen Drachen oder Gleiter sagte Cayleys: „Ich habe erreicht, dass Flächen dieser Art Gewichte bis zu 80 oder 90 Pfund mit völliger Stetigkeit und beliebig nach beiden Seiten steuerbar herabtrugen“. Vierzehn Jahre später entwarf Cayley einen Modellgleiter, der zwei Drachen verwendete, einen grossen für die Tragflügeleinheit und einen kleineren für den Schwanz. Die Tragflügeleinheit war in Form eines Flachwinkels angebracht und verlieh dem Gleiter grössere Stabilität. Dreiundsiebzig Jahre später machte W.A. Eddy die gleiche Entdeckung. 1853 liess Cayley seinen Kutscher mit dem neuen Flieger über ein Tal fliegen. Der Kutscher reklamierte, dass er zum Fahren und nicht zum Fliegen angestellt sei. Dies war der erste dokumentarisch festgehaltene Gleitflug eines Menschen. 1826 Der englische Lehrer George Pocock patentierte seinen berühmten „Char-volant“. Dieser grosse Wagen wurde von zwei hintereinander angebrachten englischen Bogenspitzdrachen gezogen. Man konnte vier oder fünf Personen mit einer Geschwindigkeit von bis zu zweiunddreissig Stundenkilometern befördernd. Für die gute Lenkbarkeit sorgten vier Leinen, die sowohl die seitliche Lage wie auch den Längswinkel zur Windrichtung einstellen konnten und dem Drachen gestatteten, „nach der Windrichtung rechts oder links“ zu fliegen. 1833 Erstmals wurde die Benutzung des Drachens als Zubehör der meteorologischen Forschung ausführlich von dem britischen Meteorologen E.D. Archibald erprobt. Es gelang ihm, Anemometer (Windmessgerät) an Drachen aufsteigen zu lassen und damit die Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen zu messen. 1887 gelangen Archibald die ersten Luftaufnahmen von einem Drachen aus. 1844 Dr. Colladon experimentierte am Genfersee mit doppelschnürigen lenkbaren Drachen, die er in 200mtr langen Bogen über den Himmel steuerte. Später erfolgte eine Seeüberquerung auf einem vom Drachen gezogenen Brett. 1855 Ein Befürworter des Rettungsdrachens war der Admiral Sir Arthur Cochrane. Er unternahm 1855 als Kommandant einer Fregatte während des Krieges mit Russland viele Versuche mit drachengezogenen Torpedos. Bei der Verwendung von 3.65 Meter grossen Drachen entdeckte er, dass es m,öglich war, ein Torpedo über drei Kilometer hinweg mit beträchtlicher Genauigkeit zu bewegen; allerdings musste man vor dem „Abschuss“ sorgfältige Berechnungen anstellen und die Ablenkung durch Gezeiten und Wind mit berücksichtigen. 1894 Der Amerikaner J. Woodbridge Davis wandte die Technik mit den doppelschnürigen lenkbaren Drachen von Colladon an. Er entwickelte einen steuerbaren Drachen, der im Fall eines Schiffsbruchs eine Rettungsleine vom Schiff zum Ufer tragen konnte. 1911 Die U.S. Navy führte Zielübungen auf Drachen durch um die Chancen der Abwehr von Luftfahrzeugen festzustellen. Im zweiten Weltkrieg entwickelte Fregattenkapitän Paul Garber abermals einen sehr manövrierfähigen Zieldrachen, und zwar ebenfalls für Übungen der amerikanischen Marineartillerie. Um ihren Beobachtungsradius auf See zu erweitern, verwendeten die Deutschen im Ersten und im Zweiten Weltkrieg menschentragende Drachen, die von ihren aufgetauchten Unterseebooten aufstiegen. Die Sichtweite von üblicherweise 8 Kilometern vergrösserte sich in einer Höhe von 120 Metern auf 40 Kilometer. Im Ersten Weltkrieg benutzte man riesige Kastendrachen. Sie wurden hinter dem Unterseeboot hergezogen und waren daher nicht auf günstigen Wind angewiesen. Der Beobachter wurde in einer Gondel am Drachenseil hochgezogen, sobald ausreichende Höhe und Stabilität erreicht waren. Der Drachen war kastenförmig, ähnlich dem englischen Rettungsdrachen, den man im Zweiten Weltkrieg für Bergungsaktionen auf See einsetzte, allerdings um ein Vielfaches grösser. Der britische Drachen war dazu geeignet, eine dünne Antenne zum Aussenden von Notsignalen hochzuziehen. Auch auf andere Weise wurden im Zweiten Weltkrieg die Signaleigenschaften von Drachen genutzt, wie in einem Artikel von der Londoner Zeitung Daily Sketch (1939) erschien. Die Schlagzeile lautete „Drachenspion bei seiner Tätigkeit ertappt – Verhaftung an der Ostküste bei weihnächtlicher Razzia“. Die Gegenspionage nahm einen Spion fest, als er chiffrierte Informationen an die Nazis mit einer automatischen Signaleinrichtung an einem Drachens übermittelte. 1940 Die britische Admiralität hat einen tödlichen Abwehrdrachen in Dienst gestellt, der Zerstörer gegen Luftangriffe schützte. Von diesem Drachen, einen modifizierten Hargrave-Doppelkasten, hing ein Draht herab, an dessen Ende sich eine Bombe befand. Der Aufprall eines angreifenden Flugzeugs auf den Draht bewirkte, dass das Flugseil unter der Bombenvorrichtung durchgetrennt wurde, wodurch der Drachendraht lose über die Tragfläche des Flugzeugs glitt. Durch den Zug des Drachens wurde die Bombe rasch auf das Flugzeug gezogen, wo sie beim Aufprall explodierte. 1941 Ein weiterer kriegsbezogener Einsatz des Drachens bestand in der Luftabwehr für amerikanische Geleitzüge im Jahr 1941. Der dafür verwendete Drachen wurde von Harry C. Sauls von der U.S. War Shipping Administration in zwölfjähriger Arbeit entwickelt. Sauls baute einen bereits vorhandenen, bisher für Werbezwecke benutzten Drachen um. Etwa 6 Meter breit und von doppelter Kastenform, flogen Sauls’ stattliche Drachen an 609 Meter langen Drahtseilen, von denen weitere Drahtseile herabhingen. Sie waren in der Lage, Tragflächen zu durchtrennen und Propeller zu beschädigen, so dass sie eine erhebliche Abschreckung für gegnerische Piloten bildeten. 1943 Die Deutsch entwickelten während des Zweiten Weltkrieges eine weit bessere Methode, einen Beobachter in die Luft zu schicken. 1943 stellten sie den Focke-Achgelis-F.A. 330-Drehflügel- oder Tragschraubendrachen in Dienst. Die war ein äusserst manövrierfähiger Autogiro, der seinen Auftrieb dadurch erhielt, dass es von einem Unterseeboot gezogen wurde. Die Steuerung erfolgte mit einem Seitenruder, das mittels eines konventionellen Steuerknüppels bedient wurde. Die Drehblätter liessen sich in einer Notlage abwerfen, während der Pilot mit einem Fallschirm absprang. Der ganze Apparat liess sich dank einer Reihe ausklinkbarer Verbindungen schnell zerlegen und verstauen. Der vielleicht berühmteste Drachen des zweiten Weltkrieges, der „Gibson Girl“, verdankte seinen Namen der taillierten Form des dazugehörigen Funkgerätes. Der Drachen war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugzeugbesatzungen, die auf dem Meer notwassernd mussten. Er trug eine dünne Notantenne empor, die mit dem Funkgerät verbunden war. Dieses konnte dann, mit handbetriebenen Dynamo, SOS-Signale aussenden. Der ohne Waage fliegende Drachen hatte drei alternative Schnurbefestigungspunkte für wechselnde Windgeschwindigkeiten. Bedenkt man das Tempo, in dem sich im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die Luftfahrttechnologie entwickelte, erscheint es kaum überraschend, dass der Drachen für eine Zeitspanne von etwa dreissig bis vierzig Jahren so gut wie vergessen wurde. Abgesehen von vereinzelten militärischen, meteorologischen und Reklameanwendungen während der beiden Weltkriege und dazwischen, vernachlässigten ihn alle, mit Ausnahmen der Kinder. Erst in der Mitte der fünfziger Jahre verschaffte die Arbeit von Francis Rogallos von der National Aeronautical and Space Administration dem Drachen wieder Geltung als potentiell bedeutsames Instrument der Wissenschaft. 1948 Francis M. Rogallo, ein Luftfahrtingenieur, der mit der National Aeronautics and Space Administration in Virginia zusammenarbeitete, kam zu der Einsicht, dass flexible Flügel eine potentiell grössere Stabilität verleihen als festmontierte Flächen und dass sich der Flugkörper der Bewegung des Windes anpassen sollte, nicht der Wind der Form des Fluggerätes oder des Drachens. Rogallo installierte einen grossen elektrischen Ventilator in seiner Wohnung und unternahm mit Hilfe seiner Frau ausgedehnte Tests und Experimente mit verschiedenen Drachenbauarten. 1948 hatte er mit seinem flexiblen Drachen schliesslich Erfolg. Die Erfindung kam zu einer Zeit auf den Markt, als man Drachen nur wenig Interesse schenkte, und so wurde das Projekt aufgegeben. Dennoch erwies sich das, was in Rogallos Theorien steckte, als sehr Interessant für das US-Raumfahrtprogramm, und er war bald mit umfangreichen Forschungen in dem gewaltigen Windkanal von Langley in Virginia beschäftigt. Er entwickelte eine Reihe ausgeklügelter Paraflügel, die sich bei der Landung zurückkehrender Raumkapseln ausfahren und mit grosser Genauigkeit regulieren liessen. 1950 Eine andere, völlig neue Drachengattung kam 1950 mit einer Patentmeldung auf, was als Allison- oder Scott Schlitten bekannt werden sollte. Die Konzeption dieses Drachens war das Werk William M. Allison aus Dayton, Ohio, dessen Patent wegen eines möglichen Konfliktes mit dem noch ausstehenden Patent für den flexiblen Drachen Rogallos erst 1956 erteilt wurde. Es handelt sich um einen halbstarren Baldachindrachen, der nur in der Längsfläche eine Stütze hat und den Wind dazu nutzt, den Baldachin durch seitliche Stützung des Gebildes offen zu halten. Die ganz aussen an den Seiten angebrachten Schnüre halten diese nieder, so dass diese Kiele bilden und dem Drachen eine seitliche Stabilität geben. Der Allison-Schlitten war in dieser Form jedoch nicht sehr erfolgreich. Frank Scott, ebenfalls aus Dayton, führte 1964 eine modifizierte Version des Originals ein. Der Scott-Schlitten hatte in der unteren Hälfte eine Luftöffnung und die Seiten nicht mehr spitz gegen die Hinterkante zulaufend, sondern parallel. 1963 Die neuste Errungenschaft in der Geschichte der Drachenform ist der Parafoil, ein völlig originelles Konzept im Drachenbau, erfunden von Domina C. Jalbert aus Bosca Raton in Florida. Wie Ragallo geht Jalbert davon aus, dass die Form sich an die Windrichtung halten solle, und eine seiner früheren Erfindungen, ein vielzelliger Fallschirm, der sich durch eine Vervielfachung der Segelbefestigungspunkte auszeichnet, nutzt die Windkraft in weit höherem Grad als die Standart-Baldachin-Bauart mit ihrer einfachen Befestigung. Jalbert entdeckte, dass die allgemeine Form des herkömmlichen Fallschirms ineffizient war, weil sie soviel Luft ungenutzt liess. Er entwarf einen Fallschirm, welcher eine höhere Luftmasse aufnehmen konnte, höhere Tragfähigkeit besass und stabiler und sanfter zu Boden glitt. Es ist erfreulich, dass der Drachen, bei allen Fortschritten und Verbesserungen in seiner Bauweise für militärische und wissenschaftliche Zwecke, als ästhetischen Gegenstand auch heute noch viele Künstler inspiriert.
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