Entwicklung der modernen Drachen

1893

William A. Eddy, ein Journalist aus Bayonne New Jersey, entwickelte den schweiflosen Drachen und lies ihn 1900 patentieren. Eddy’s Bogendrachen wurden am Blue Hill Observatorium in Massachusetts vom US-Wetteramt als Träger für verschiedene Messinstrumente verwendet. Eddy’s Bogendrachen wurde aber bald durch Hargraves Kastendrachen verdrängt. Mit diesen Drachen wurden verschiedenste Luftaufnahmen gemacht, auch vom Brand nach dem Erdbeben in San Francisco im Jahre 1906. Die erste Luftaufnahme von einem Drachen aus gelang allerdings bereits 1887 durch Archibald.

1893

Lawrence Hargrave entwickelte in Greenwich die Kastendrachen (oder Zellendrachen wie er es lieber nannte). Dies waren die Vorläufer zum heutigen Flugzeug. Er war anfangs Vierzig, als er umfangreiche Experimente mit winkelflächigen und zellförmigen Bauformen machte. Die dabei verwendeten Materialien bestanden aus Zinnblech, Mammutbaumfurniere usw. Übrigens lies er keine seiner zahlreichen Erfindungen patentieren, da er der Meinung war, jeder der für sie eine Verwendung hatte, auch seinen Nutzen daraus ziehen sollte. Ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Fliegerei leistete Hargrave mit den Experimenten zur Verbesserung von gewölbten Tragflächen. Cayley vermutete zwar bereits früher die Vorteile der gewölbten Tragflächen. Horatio F. Philips entwickelte um 1880 die Prinzipien der doppelflächigen Tragfläche.

1894

Otto Lilienthal, Autor des Buches „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“, gelang mit seinem patentierten Doppeldecker-Hangleiter als erster Mensch einen gesteuerten Dauerflug in Berlin. Er schwebte 230 Meter weit und steuerte seinen Flug durch Gewichtsverlagerung. Dies war der Beginn der modernen Fliegerei. Lilienthal war Ingenieur, Erfinder und Hersteller vielfältiger Schifffahrtsteile. Am 9. August 1896 stürzte er am Gollenberg mit seiner Standardsegelmaschine zu Tode.

1894

Ein bedeutsamer Pionier der Menschenbeförderungstechniken war B.F.S. Baden-Powell von den Scotts Guards. Er war ein bekannter Ballonfachmann und der Bruder des Gründers der Pfadfinderbewegung und britischer General. Mit seinen Drachen errang er erstmals Anerkennung, als er am 27. Januar 1894 im englischen Pirbright Campeinen Menschen mit einem einzigen Drachen in die Luft hob, wobei er die Idee verfolgte, der Armee ein Mittel der Luftbeobachtung zu verschaffen. Seine ersten Erfolg erzielte er mit einem elf Meter hohen Riesendrachen aus Bambus und einer Batistbespannung. Seine Drachenaufstiege liess er prinzipiell nur mit einem offenen Fallschirm über dem Kopf vornehmen. Folgerichtig entwickelte er ein System des Gespannflugs, wobei er kleinere Drachen mit einer Fläche von etwa zehn Quadratmetern und je nach Windverhältnissen zwischen vier und sieben Drachen gleichzeitig verwendete. Dieses System erwies sich als zuverlässig und Baden-Powell liess die Konstruktion, die er „Levitor“ nannte, 1985 patentieren. Im selben Jahr führte er ein solches System der British Association vor und liess sich und andere bis dreissig Meter in die Höhe tragen. Abermals benutze er wegen der Instabilität des Drachens ein zweileiniges Waagesystem, bei dem die beiden Leinen an voneinander getrennten Punkten am Boden festgemacht wurden, damit sie den Drachen sicher im Wind hielten.

1896

Im August 1896 begann Charles J. Lamson, vielleicht der hervorragernste Drachenbauer aller Zeiten, mit einer Reihe von Experimenten, bei denen er versuchte, eine Beobachter mittels eines abgewandelten Hargrave-Kastendrachens, der an Klaviersaiten hing, in die Luft zu befördern. Der Drachen war mit einer beweglichen Hinterzelle ausgerüstet, die es dem Piloten gestattete, den hinteren Teil des Drachens zu heben oder zu senken und so den Anstellwinkel zu regulieren. Einer weitere Steuermöglichkeit hatte der Pilot, der sich in einer unmittelbar unter dem Drachen hängenden Gondel befand, durch die Verlagerung seines Gewichts nach rechts oder links. Bei den ersten Versuchen mit der 68 Kilogramm schweren Puppe kam es zu Schwächen in den Streben, welche die Doppeldeckerflügel auseinander hielten. Der Fall von 180 Meter in die Tiefe beschrieb Lamson wie folgt: „Ein Mensch wäre nicht verletzt worden, denn der Fall war so sanft wie das Aufsetzen einer Taube auf den Boden“. Lamson baute weitere menschengerechte Drachen. Am Ende jedes Oberflügelpaares waren vertikale Leitflächen angebracht, die die seitliche Stabilität verstärken sollten. Die Leistungsfähigkeit dieser entscheidenden Flugvorrichtungen wurde im Juni 1897 erprobt, als Lamson ungefähr eine halbe Stunde lang in einer Höhe von fünfzehn Metern schwebte. Schrittweise veränderte Lamson seine Drachen, bis sie einen ganz unverwechselbaren Charakter hatten. Sein schöner Aerocurve-Drachen, dessen Name sich aus der betonten Verwendung der Tragfläche in Flügelform ableitete, wurde 1897 Doppel- und Dreier-Deckerversionen entworfen und gebaut. Seine Form nahm die Gestalt vorweg, die später das Flugzeug besitzen sollte.

1901

Samuel Franklin Cody war eine der schillernsten Figuren unter den Drachenpionieren. Der in England lebende Amerikaner erhielt ein Patent für einen zweizelligen Kastendrachen mit Seitenflügeln, der Personen tragen konnte. Mit Hilfe dieses Drachens entwarf er ein bemerkenswertes System der Menschenbeförderung; im Dezember dieses Jahres führte er seine Flugapparat dem Kriegsministerium vor und zeigte Möglichkeiten für die militärischen Verwendung auf. Trotz seines effekthascherischen Aussehens und des Umstandes, dass er Analphabet gewesen sein sollte, war Cody ein Mensch von hoher Intelligenz und ungemein praktischer Einstellung, unterstützt durch Mut, Kraft und Ausdauer. Doch seine Ideen und Entwicklungen wurden von den britischen Militärbehörden nicht ernst genommen. 

1903 erfolgte eine seiner Grosstaten, Cody machte, von Dover nach Calais, eine Kanalüberquerung im Drachenschlepp. 1904/05 fanden ausgedehnte Versuche an Land wie auf dem Wasser statt, nachdem die Admiralität Cody mehrere Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt hatte. Währen dieser Versuche erreichte der Pionier Moreton die mögliche Rekordhöhe von 792.6 Metern am Ende eines 1219 Meter langen Kabels. Das Kriegsministerium übernahm schliesslich 1906 das System für Heeresbeobachtungen, und Cody erhielt Offiziersrang als Chefdrachenkonstrukteur in Farnborough. Nicht alle Drachenexperimente von Cody hatten militärische Ziele. 1907 führte er den Meteorgrafen vor, ein von einem Wetteramt entwickeltes Instrument. Er brachte die Instrumente auf eine Rekordhöhe von 4268 Meter. Codys Mut und Begeisterung brachten ihn dazu, mit dem Motorflug zu experimentieren, und im Oktober 1908 baute und flog er als erster Mensch in Grossbritannien ein Flugzeug. Am 7. August 1913 fanden Cody und sein Passagier den Tod, als seine letzte Erfindung, das Wasserflugzeug, über Laffan’s Plain in Aldershot in der Luft auseinanderbrach.

1901

Am 12. Dezember 1901 unternahm Guglielmo Marconi seine ersten drahtlosen Übertragungsversuche von Poldhu in Cornwall nach St. John’s in Neufundland. Die Empfangsantenne war mittels des Baden-Powell-Levitor-Drachens auf eine Höhe von 122 Metern gebracht worden. Die ersten Versuche misslangen weil es zu starken Wind hatte und wegen der prinzipiellen Instabilität des Drachens.

1902

Inzwischen entwickelte jenseits des Atlantik Dr. Alexander Graham Bell einen bemannten Drachen. Bells erste aeronautische Experimente fanden rein zur Unterhaltung und zum Vergnügen statt. Bell machte zahlreiche Beobachtungen und Aufzeichnungen zum Vogelflug. Er startete ein umfassendes Programm von Drachentests, durch welche die zuverlässigste Form für den Transport eines Menschen entwickelt wurde. Ein Motor sorgte für maximale Stabilität und Auftrieb. Nach vielen Tests entschied er sich für eine tedraedrische (vierflächige) Zelle, der auf zwei Seiten mit Seide bespannt war. Seine früheren Erkenntnisse, dass derart konstruierte Drachen unter wechselnden Windverhältnissen eine sehr gute Stabilität besitzen, bestätigte sich, als 1905 ein Verbunddrachen aus 1300 Zellen – bekannt als Frost King – unbeabsichtigt einen Mitarbeiter etwa 10 Meter über den Boden hob. 

1907

Sein erster gesteuerter und bemannter Flug fand im Dezember 1907 mit dem Cygnet, einer grösseren Version des Frost King aus 3393 Zellen und mit Schwimmern ausgerüstet, statt. Der freiwillige Pilot war Leutnant E. Selfridge von der US Army.

Bell war auch an der Erfindung des Telefons beteiligt und als weiteren Erfolg bei der Entwicklung des Grammophons. Eine Anzahl von Bells Drachen sind zusammen mit anderen Erinnerungsstücken im Alexander-Graham-Bell-Museum von Baddeck in Neuschottland zu sehen.

Seitenanfang  ¦ Home


HEI-KITECH Drachenbauer

E.+E. Heimgartner

6205 Eich   Schweiz 


Tel: +41 (0)41 460 39 51

drachebauer@drachenbauer.ch

http://www.drachenbauer.ch